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Accessibility: Erneuerungen des BITVs Tests und unsere Erfahrungen

Das Thema Accessibility, im Deutschen auch unter dem Begriff Barrierefreiheit bekannt, und deren Implementierung birgt einige Tücken und kann den Entwicklungsaufwand wesentlich beeinflussen. Je früher im Projekt man sich mit Prüfverfahren beschäftigt, desto eher kann man verhindern, dass bereits entwickelte Funktionen überarbeitet und angepasst werden müssen. Mein Name ist Veronika Winter und ich habe mich im Zuge eines Projekts intensiv mit Accessibility beschäftigt und möchte die Learnings aus unserem Team hier zusammenfassen und weitergeben.

Einführung Accessibility und BITV

Mittlerweile gehört Accessibility sowie der BITV Test zu den Standards, mit denen wir uns als UX Team bei TechTalk immer wieder intensiv beschäftigen. Die seit März veröffentlichten Neuerungen des BITV Tests bieten viel neuen Stoff.

Die Barrierefreiheit sorgt dafür, dass alle Menschen eine Webseite, eine Applikation oder auch ein PDF benutzen und verstehen können, unabhängig von Sprache, Kultur, physischen und kognitiven Fähigkeiten. Deshalb wurde 1999 die Web Accessibility Initiative (WAI) gegründet, welche mit den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) eine internationale standardisierte Richtlinie geschaffen hat.

Dieser Standard macht Inhalte für Menschen mit Behinderungen wie Blindheit, Sehschwäche, Taubheit oder Hörverlust, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, Sprachbehinderungen oder Kombinationen davon, leichter zugänglich. Auch punktuelle Einschränkungen die jedem widerfahren können, werden innerhalb der Richtlinien berücksichtigt. Stellen Sie sich vor: Die Sonne blendet, am Bildschirm wirken sich Kontrastprobleme aus und wir können Texte mit schwachem Kontrast zum Hintergrund nicht mehr lesen.

Die BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) basiert auf den Vorgaben der WCAG und ist ein Verfahren für eine umfassende Prüfung der Barrierefreiheit. Sie ist bereits seit 2004 veröffentlicht und entwickelt sich immer weiter. Aktuell umfasst sie 60 Prüfschritte, welche vollständig offengelegt sind. Dadurch kann man diese Prüfschritte auch selbst überprüfen und sich so ein eigenes Bild von der Barrierefreiheit seiner Seite schaffen.

Zusammenfassung der Neuerungen 2019

Anfang 2019 wurden die Prüfschritte bereits zum 8. Mal angepasst und Mitte März 2019 mit diversen Erneuerungen veröffentlicht.

Eine der wichtigsten Erneuerungen ist die Anpassung des Prüfverfahrens und die Bewertung der Prüfschritte. Weiters wurden zwölf neue Prüfschritte ergänzt, die auch einen Fokus auf responsive Webseiten und die mobile Benutzung setzen. Die Gewichtung der einzelnen Prüfschritte hat sich ebenfalls geändert. Auch wenn man nicht das Ziel hat, eine Webseite zertifizieren zu lassen, sollte man während der Entwicklung zumindest die Prüfschritte mit einer hohen Gewichtung berücksichtigen, da diese für alle BenutzerInnen einer Webseite unterstützend wirken. Der Artikel zur offiziellen Erklärung befindet sich auf der BITV Webseite.

Ein BITV Test wurde beispielsweise im Projekt „AMS Berlin“ durchgeführt. In dem verlinken Praxisbericht wird unter anderem die User Experience des Produkts sowie der BITV-Test beschrieben.

Details zu den Erneuerungen

Erreichen des BITV Tests

Um ein positives Prüfergebnis zu erhalten, muss eine Liste an Erfolgskriterien durchgeführt werden, die sich in 60 Prüfschritte unterteilt. Jeder Prüfschritt hat denselben Aufbau: „Was wird geprüft?“, „Warum“ und „Wie wird geprüft?“. Das heißt, wie die Prüfung durchgeführt wird, welchen Browser man öffnen soll, welche Einstellungen (zB Bildschirmgröße, Textgröße,..) man setzen soll, usw.

Bis 2019 gab es eine Punktebewertung jedes einzelnen Prüfschritts, bei der man die Anzahl der erreichten Punkte zusammenrechnet. Insgesamt sind 100 Punkten möglich. Bei 90 von 100 Punkten konnte man eine „gut zugängliche Webseite“ und bei 95 von 100 Punkte eine „sehr gut zugängliche Webseite“ erreichen.

Diese Punktebewertung wurde abgeschafft, jetzt müssen alle Prüfschritte mit „erfüllt“ oder „eher erfüllt“ bewertet werden.

Auswirkung auf das Projekt:

  • Jeder einzelne Prüfschritt ist wichtig und muss erfüllt werden. (Es werden nur vorhandene Elemente geprüft, die anderen werden als „nicht relevant“ markiert.)
  • Es muss für jeden relevanten Prüfschritt eine (technische) Lösung gefunden werden.

Gewichtung

Grundsätzlich gibt es eine Unterscheidung der Prüfschritte auf der Ebene der Gewichtung, so wird zwischen hohem, mittlerem und geringem Gewicht unterschieden. Einige Prüfschritte wurden auch in ihrer Gewichtung geändert. An sich hat eine Gewichtung keinen direkten Einfluss auf das Ergebnis, trotzdem erkennt man, wie wichtig und bedeutsam der Prüfschritt für die Barrierefreiheit und Benutzung einer Webseite ist.

Prüfschritt „Text auf 200% vergrößerbar“

Zum Beispiel wurde das Gewicht des Prüfschritts „Text auf 200% vergrößerbar“ von mittel auf hoch geändert. Bei diesem Prüfschritt geht es darum, dass trotz der Vergrößerung des Texts jedes Wort komplett sichtbar und lesbar ist, es soll keine Überlappungen geben oder Text abgekürzt werden. Das heißt, wenn innerhalb eines Buttons nur „Absen…“ statt „Absenden“ angezeigt wird, wird dies als negativ bewertet.


Änderungen der Schriftgröße von 100% auf 200% mittels dem Textzoom in Firefox

Ziel ist es, dass trotz einer Vergrößerung des Textes oder einer generell großen Schriftgröße, die Webseite dies unterstützt und der Text vollständig lesbar ist, zum Beispiel indem sich das Layout dynamisch anpasst. Viele BenutzerInnen verwenden standardmäßig bereits eine größere Schriftgröße, deshalb ist dieser Prüfschritt sehr wichtig. Auch kann dieser Prüfschritt auf dem Smartphone nachgestellt werden, dadurch wird die Schriftgröße in den Einstellungen des Smartphones geändert.

Wie sich ein Textzoom von 200% auf die Lesbarkeit auswirkt, anhand des Beispiels orf.at [Datum des Screenshots: 8. April 2019]

Prüfschritt „Hauptsprache angegeben“

Weiters wurde das Gewicht des Prüfschritts „Hauptsprache angegeben“ von gering auf mittel erhöht. Es geht darum, dass der Screenreader den Text der Webseite in der richtigen Sprache ausspricht. Mittels der Verwendung des lang-Attributs wird die Sprache definiert.

Ziel ist es, dass die Sprachausgabe des Screenreaders richtig verwendet werden kann und der Text in der richtigen Sprache vorgelesen wird. Wenn die Sprache nicht (richtig) definiert wurde, klingt dies so wie es auf diesem Youtube-Video, nämlich schwer verständlich.

12 neue Prüfschritte

Zwölf neue Prüfschritte wurden ergänzt, die die zusätzlichen Anforderungen der WCAG 2.1 vervollständigen. Das Ziel ist es, die Barrierefreiheit für die folgenden drei Zielgruppen zu optimieren:

  • BenutzerInnen mit kognitiven Schwächen oder Lernbehinderungen
  • BenutzerInnen mit Sehbehinderungen
  • BenutzerInnen mit einer Beeinträchtigung auf mobilen Endgeräten (Smartphone und Tablet)

Um einen kleinen Einblick zu geben, möchte ich ein paar Prüfschritte und deren Bedeutung genauer erklären. Eine vollständige Liste befindet sich hier.

Prüfschritt „Textabstände anpassbar“

Der Prüfschritt „Textabstände anpassbar“ zielt auf die Lesbarkeit von Text ab. Mittels einem Javascript- Bookmarklets, von BITV zur Verfügung gestellt, kann dieser Prüfschritt sehr einfach getestet werden. Obwohl die Abstände der Buchstaben oder der Wörter an sich geändert werden können, soll jedes Wort komplett sichtbar und lesbar sein, um ein Abschneiden des Textes zu verhindern.


Simuliertes Text Spacing mittels dem Javascript Bookmarklet auf orf.at
[Datum des Screenshots: 8. April 2019]

Prüfschritt „Inhalte brechen um“

Der Prüfschritt „Inhalte brechen um“ zeigt Probleme mit der Zoomfunktion eines Browsers auf, die häufig von sehbehinderten BenutzerInnen verwendet wird. Die Anpassung des Inhalts soll dynamisch erfolgen und ein horizontaler Scrollbalken soll vermieden werden. Dadurch ist der Inhalt der Webseite auf einer Seite sichtbar und es wird nur in eine Richtung (nach oben oder nach unten) gescrollt. Dies stellt auch eine Vereinfachung der Benutzerführung dar.

Prüfschritt „Eingabefelder zu Nutzerdaten vermitteln den Zweck“

Ein besonderer Prüfschritt für mich ist „Eingabefelder zu Nutzerdaten vermitteln den Zweck“, denn dieser ist für alle BenutzerInnen ein interessantes Feature. Er zielt auf das Attribut <autocomplete> ab, das bereits auf vielen Webseiten in Verwendung ist. Es wird bei Formularfeldern verwendet, die persönliche Informationen enthalten. So kann durch das Ergänzen des <autocomplete> Attributs ein automatisches Vorausfüllen von Formularinhalten ausgelöst werden, zum Beispiel bei Vor-und Nachname, Adressdaten oder Kreditkarten-Daten. Dadurch wird die Eingabe von persönlichen Daten erleichtert bzw. teilweise sogar vom System abgenommen und Formulare können in weiterer Folge schneller ausgefüllt werden.

Fokus auf mobile Benutzung

Die folgenden drei neuen Prüfschritte zeigen die bedeutende Rolle der Benutzung von Mobiltelefonen im Accessiblity-Bereich.

Prüfschritt „Keine Beschränkung der Bildschirmausrichtung“

Dieser Prüfschritt zielt auf die Benutzung am Mobiltelefon ab und wird deshalb auch auf einem Smartphone getestet. So soll der Inhalt der Webseite in beiden Ausrichtungen (Hochformat und Querformat) richtig dargestellt werden und nutzbar sein. Auch ein Wechsel zwischen den beiden Ausrichtungen soll unbeschränkt möglich sein, sofern beide Ausrichtungen unterstützt werden.

Prüfschritt „Alternativen für Bewegungsaktivierung“

Dieser Prüfschritt unterstützt besonders Menschen mit motorischen Einschränkungen. Der Prüfschritt zielt drauf ab, dass es eine alternative Eingabemöglichkeit zu Bewegungseingaben geben muss. Unter Bewegungseingaben versteht man zum Beispiel, wenn ein Telefon physisch speziell bewegt werden muss, um eine Funktion zu aktivieren oder um eine Eingabe zu tätigen wie zum Beispiel dieses Video den Extremfall „Kalibrieren des Kompasses“ darstellt.

Prüfschritt „Alternativen für komplexe Zeiger-Gesten“

Ein weiterer Prüfschritt, der mittels Smartphone getestet wird, ist „Alternativen für komplexe Zeiger-Gesten“. Unter Zeiger-Gesten versteht man Bewegungen, die mit einem oder zwei Fingern auf dem Smartphone gemacht werden, zum Beispiel das Streichen, das Ziehen, das Zoomen mittels zwei Fingern. Hier wird zwischen einfachen Gesten wie Tippen oder Doppeltippen und komplexen Zeiger-Gesten unterschieden. Für Menschen mit einer Einschränkung in der Bewegung sind die komplexen Zeiger-Gesten schwierig in ihrer Durchführung und sollten deshalb vermieden werden. In diesem Prüfschritt werden die verschiedenen Gesten ausprobiert, um zu sehen, ob diese innerhalb der Webseite verwendet werden. Falls dies der Fall ist, soll es eine alternative Eingabemöglichkeit mittels einfacher Zeiger-Gesten geben.

Conclusio

Die neuen Prüfschritte zeigen die besondere Vielfalt an Dingen und Funktionen, die überprüft werden. Bei der Prüfung der Accessibility handelt es sich nicht nur um Farbkontraste, richtige Verwendung von HTML-Tags und Tabreihenfolge, viel mehr Dinge stecken dahinter. Abschließend möchte ich noch die Werkzeugliste des BITV erwähnen, die mir im Durchführen der einzelnen Prüfschritte eine große Unterstützung war. Haben Sie Interesse mehr über Accessibility zu wissen oder ist Accessibility auch in einem Ihrer Projekte relevant, dann stehen unser UX Team und ich gerne für Fragen zur Verfügung!


“Sag feig” – Innovations-Workshop bei der Caritas Wien

Mitte Jänner hatte ich, Claudia Oster, die Gelegenheit bei der Innovation Challenge der Caritas Wien teilzunehmen. Aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit im Bereich User Experience und Agile Coaching wurde ich als externe Expertin eingeladen teilzunehmen.

Da ich sowohl die Arbeit der Caritas sehr schätze als auch an der Art der Umsetzung eines Design Thinking Workshop im großen Kontext mit mehr als 120 Teilnehmern interessiert war, freute ich mich sehr auf 1,5 Tage kreative Arbeit mit vielen neuen, interessanten Begegnungen. Der Innovationsworkshop stand unter dem Motto „Das traut sich die Caritas nie“ und sollte dazu anregen möglichst innovative Ideen einzubringen.

120 Caritas MitarbeiterInnen und externe ExpertInnen fanden sich in der Ankerbrotfabrik ein um innovative Ideen zu erarbeiten

Begonnen haben die 1,5 Tage mit vier Stunden am späten Nachmittag, um einen Einblick in die Themenbereiche der Caritas sowie des Workshops zu erhalten, u.a. Leistbarer Wohnraum, Sozialer Zusammenhalt oder Soziale Teilhabe im Alter.

Bereits am ersten Abend war es sehr beeindruckend zu sehen, welch bunte Mischung das Organisationsteam der Innovation Challenge in einen Raum zusammengebracht hat. Vom Leiter der Reinigungsfirma, über Freiwillige HelferInnen, MitarbeiterInnen in der Pflege bis hin zu Caritas-Externen aus verschiedenen Bereichen wie Bildung, Innovation oder IT war es ein bunt gemischtes Feld. Bereits in der ersten Vorstellungs- und Diskussionsrunde wurden die unterschiedlichen Aspekte und Blickwinkel sichtbar und man spürte sofort wie die Inspiration und der Austausch angefacht wurde.

Inspiration durch viel Know-How war allgegenwärtig, wie durch einen Mitarbeiter der Firma „No Isolation“ die mit ihren Produkten versuchen soziale Isolation zu verringern, z.B. mit Roboter für krebskranke Kinder, damit diese weiter am Unterricht teilnehmen können

Am Tag der Innovation Challenge wurden in Gruppen Herausforderungen in den Themenbereichen herausgearbeitet und mit Methoden des Design Thinking an innovativen Lösungen gearbeitet. Methoden wie Challenge Mapping, Persona Mapping, „Wie könnte man…?“-Problemfrage, Ideengenerierung und Idea Core Canvas kamen zum Einsatz.

Klassische Methoden des Design Thinking, wie eine Persona Map, kamen im kreativen Prozess zum Einsatz.

Es war wieder einmal sehr spannend zu sehen wie eine enorm multidisziplinäre Gruppe mit vielen unterschiedlichen Sichtweisen die Lösungsfindung positiv beeinflusst. Ich möchte mich für die Möglichkeit zur Teilnahme bedanken und bin gespannt welche Projekte im Rahmen der Caridee 2019 – dem Innovationsprogramm der Caritas – weiterverfolgt werden.


Wenn Sie Unterstützung bei der Durchführung eines Design Thinking Workshops oder der kreativen Ideenfindung brauchen, können Sie sich gerne direkt an mich wenden. Ich würde mich freuen Sie auf diesem kreativen Weg zu begleiten.

Dein erster Eindruck zählt: Onboarding @ TechTalk

Wir freuen uns schon sehr auf Dein Kommen, deshalb ist es uns wichtig, dass Du Dich von Anfang an gut aufgenommen fühlst. Die ersten Tage im neuen Job sind geprägt von vielen neuen Gesichtern und jeder Menge Informationen.

Als neues Teammitglied senden wir Dir bereits vor Deinem ersten Arbeitstag ein Welcomepackage mit vielen netten Überraschungen zu. TechTalk gibt Dir dabei das Gefühl: Du bist bereits Teil unseres Teams! Am ersten Tag begrüßt Dich Dein persönlicher Buddy und stellt Dir Deine neuen Kolleginnen und Kollegen vor. Unsere „open door policy“ macht Dir die interne Kommunikation leicht.

Guter Kaffee wird bei TechTalk sehr geschätzt. Fun Fact: pro Jahr wird bei uns mehr als 205 kg Kaffee gemahlen.

Dein Feedback wird schon nach der ersten Woche von uns sehr geschätzt, dabei wird klar: Deine Meinung zählt! Die TechTalk Kultur, in der jeder sein Bestes gibt, wird Dir von Tag zu Tag bewusster. Dadurch ist es uns möglich gemeinsam Erfolge zu feiern! TechTalk bietet ein Arbeitsumfeld, in dem Wissensaustausch sowie gegenseitige Wertschätzung gelebt wird. Bringe Deine Ideen ein und entwickle sie im Team weiter.

Oft ist der neue Job ein neuer Lebensabschnitt, an den Du Dich lange zurückerinnerst – deshalb ist es uns umso wichtiger, dass Du auf Deine ersten Eindrücke als TechTalk Teammitglied positiv zurückblicken kannst.

Mehr Einblicke zum Arbeitsalltag bei TechTalk findest du hier:

Hier geht es zu den derzeitigen Job Ausschreibungen.

Einblicke in die nachhaltige UX Gestaltung

UX Night Vienna on November 26, 2018 at Impact Hub Vienna. © Christian Lendl

Zum dritten Mal fand am 26. November die UX Night Vienna statt. Entsprechend dem Motto „UX for a change“ gab es 3 Talks zum Thema „Nachhaltigkeit“:

 

Eveline Pupeter at UX Night Vienna on November 26, 2018 at Impact Hub Vienna. © Christian Lendl

Eveline Pupeter, CEO von Emporia, lieferte Einblicke in die Entwicklung von seniorenfreundlichen Handys. Das oberösterreichische Unternehmen Emporia hat es sich zur Aufgabe gemacht die Generation 50+ bei der Digitalisierung zu unterstützen. Es bietet neben seniorenfreundlichen Smartphones auch Smartphone-Schulungen an. Spannend war festzustellen, dass sie:

  • Ihre Kundensegmente nach Grad der Digitalisierung und nicht nach Alter einteilen.
  • Hilfsmittel einsetzen um ihren – durchwegs jungen – Entwicklern die Bedürfnisse der älteren Generationen näher zu bringen. Im Einsatz sind:
    • Spezielle Handschuhe, welche eine eingeschränkte Feinmotorik simulieren und
    • der Alterssimulationsanzug GERT.

Peter Knoblauch at UX Night Vienna on November 26, 2018 at Impact Hub Vienna. © Christian Lendl

Peter Knoblauch, Senior Lektor am Institut für Design der Angewandten, sprach über die Gebrauchstauglichkeit von Alltagsprodukten. Er erklärte anhand welcher Kriterien die

Lebensdauer von Alltagsprodukten gemessen werden kann. Meine take aways:

  • Es gibt ein Nachhaltigkeitssiegel für langlebige, reparaturfreundliche Produkte (ON Regel 192102).
  • Er untersuchte die Langlebigkeit von Waschmaschinen. Die User Interfaces verschiedener Waschmaschinen wurden hinsichtlich ihrer Gebrauchstauglichkeit verglichen. Selbst hochwertige Markenprodukte versagen bei der Usability des Interfaces.

UX Night Vienna on November 26, 2018 at Impact Hub Vienna. © Christian Lendl

Den Abschluss machte ein Beitrag über Participatory Design. Christopher Frauenberger (TU Wien) präsentierte eine Designstudie. In dieser hatten Forscher mit Kindern mit Autismus am Design von neuen Technologien zusammengearbeitet. Learnings:

  • Participatory Design ist nicht User Centered Design.
  • Beim Participatory Design ist der User ein Teil vom Team. Er produziert Inhalte und entscheidet mit.

Der Abend war unterhaltsam und regte zum Nachdenken an. Er war allerdings weniger praxisrelevant für User Experience Designer als derjenige im Vorjahr. Es bleibt noch zu sagen: Das kostenfreie Event war wieder bestens organisiert. Ein besonderer Dank dafür gebührt dem UX Vienna-Meetup Team – inklusive unserer Claudia ;). Ich danke Euch!

Webexpo in Prag: 4 Key-Take-Aways und die Verlängerung meiner Buchliste

Mitte September besuchte ich (Claudia Oster) die Webexpo in Prag. Das Programm der Konferenz richtet sich sowohl an Webentwickler als auch an Designer und so waren die Themen dieses Jahr gestreut von Design Thinking, Story Telling, AI und Machine Learning über AR/VR bis hin zu ReactJS und Talks über Performance im Web. Ich fokussierte mich v.a. auf die design-lastigen Talks.

Kurz möchte ich die vielen Eindrücke in 4 Key-Take-Aways zusammenfassen:

  1. Divergent and Convergent working everywhere

In vielen Talks wurde die Nutzung des Design Thinking oder der Double Diamond als Basis des Design Prozesses sowohl explizit, als auch implizit thematisiert – von IBMs „Enterprise Design Thinking“, über Firefoxs Verwendung von Event Storming und Facebooks Vorgehen zum Gestaltungsprozess, bis zum Vorgehen bei MSD zur Workshopgestaltung. Immer geht es um die Phasen des konkreten Anfangs (z.B. klares Vision) und darauffolgend der breiten Ideensuche.

Design Thinking für die Gestaltung eines Workshops von MSD.

Dann geht es darum sich wieder fokussiert Ideen auszuwählen, diese prototypisch umzusetzen und zu testen. Der Einsatz von cross-funktionalen Teams wird dabei immer als wichtiger Bestandteil gesehen.

  1. Agile & UX – diverse maturity level

Agiles Vorgehen wird in der Community als Standard wahrgenommen und noch schnellere Iterationen z.B. in Design Sprints genutzt um mit noch schnelleren Feedbackzyklen Ideen zu erarbeiten und zu testen. Es gibt jedoch noch immer Unternehmen in denen die agile Vorgehensweise und dazu die Integration von UX in diesen Prozess – inklusive User Research und User Testing – keineswegs der Standard sind.

Um dies zu verdeutlichen als Beispiel ein präsentierter Kommentar einen Scrum Masters in einem Projekt: „We don’t need to ask people what they want. We are the experts.”– So sollte es aber schon für jeden im UX oder Produktentwicklung klar sein, dass die Einbindung der Benutzer den Kern für den Erfolg einer Entwicklung darstellt.

Agile und User Research – nicht immer beste Freunde.

Auch war es für den User Researcher schwierig zu verstehen, welche Vorteile die agilen Methoden bringen können und dass der User Researcher auch Teil des agilen Teams sein soll.

Dieses Beispiel zeigt, dass es wichtig ist das gesamte Team in ein Boot zu holen und mit einem Basiswissen auszustatten – sowohl zum Thema UX, als auch im Bereich der agilen Methoden.

  1. Stories, Curiosity & Microcopy to connect with users

Wie kann man den Benutzer und Kunden so erreichen, dass etwas „hängen“ bleibt. Ein Beispiel dafür war die gesamte Story um den „Dollar Shave Club“ und die Nutzung einer konsistenten „tone of voice“.

In dem Talk von Kinneret Yifrah über „Microcopy – how users will fall in love“ thematisierte sie die Wichtigkeit mit dem Benutzer wie in einem Gespräch zu interagieren und gab den Rat „Imagine the user is in front of you – how would you talk to her?“. Und auch hier sollte etwas Spaß und Freude berücksichtigt werden.

Statt mit der Aussage „Your browser is out of date” informiert eine Website “Love your vintage browser! Unfortunately, it is a little bit too vintage … “.

  1. AI/ML & Design for Good

Ein wichtiges Thema – welches mich schon auf den Konferenzen der letzten 1-2 Jahre begleitet – war der Fokus auf „Design for Good“. Also, dass es nicht nur darum gehen soll ein Problem zu lösen, sondern wie Dan Saffer sagte, auch eine humane Funktion zu gestalten:

„If your design makes people more generous, helpful, thoughtful, useful, beautiful, respectful, or kind, it’s good design.”

Ein explizites Praxisbeispiel in einem weiteren Talk dafür war eine Social-Network-App für das tschechische Olympische Team in Pyeongchang und wie sie versucht haben nicht (!) die Nutzungsdauer der App durch Benachrichtigungen oder Infos über Likes zu erhöhen. Sondern es ging darum das Gemeinschaftsgefühl und den Informationsaustausch zu verbessern – unabhängig davon ob dies nun online über die App oder offline passiert.

Evil-free social network für das tschechische Olympiateam.

Vor allem die Relevanz von „Design for Good“ zeigt sich im Bereich der AI bzw. Machine Learning, weil hier auch unbeabsichtigt ein Bias entstehen kann. In ihrem Talk „People & Algorithms: Building AI-Driven Features that don’t Cause Harm” hat Val Head von Adobe thematisiert, dass diese Biases aktiv adressiert werden müssen. D.h. sie empfahl auch ungemütliche Fragen zu stellen und dafür können auch die „Tarot Cards of tech“ (Shop, leider nur in den USA verfügbar) genutzt werden.

Buchlistenerweiterung

Und natürlich werden in fast alle Talks interessante Bücher erwähnt und wieso soll nur meine Buchliste länger werden:

  • The Man Who Lied to His Laptop: What We Can Learn About Ourselves from Our Machines – Clifford Ness, Carina Yen (Amazon)
  • Conversational design – Erika Hall (Book Website)
  • Microcopy – Kinnereth Yifrah (Book Website, Amazon)
  • Weapons of math destruction – Cathy O’Neil (Book Website, Amazon)
  • Technically wrong – Sara Wachter-Boettcher (Book Website)
  • Design for real-life – Eric Meyer & Sara Wachter-Boettcher (Book Website)
  • Wired for speech – Clifford Nass, Scott Brave (Book Website, Amazon)
  • Newsjacking – Jan Burkhart, Grant Hunter (Amazon)

Conference Review of WebExpo

Generell eine sehr tolle Veranstaltung mit interessanten Speakern und das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Auch war es die erste Konferenz, die mir sehr stark durch ihre Familienfreundlichkeit aufgefallen ist – einige Babys waren dabei und für die Größeren gab es eigene Workshops.

Die gesammelten Aufzeichnungen der Talks werden auch zur Verfügung gestellt und hier gibt es einen weiteren detaillierten Eventbericht von Juho.

Empfehlungen für Devs: JavaScript, Blockchain, UX, CSS (Newsletter Februar 2018)

In unregelmäßigen Abständen verschicken wir unseren Development Newsbytes Newsletter. Das beste aus dem Logbuch und bemerkentswerte News für Entwickler_innen aus dem Web zusammengefasst. Hier geht es zur Anmeldung und Nachlese weiterer Ausgaben.


Security bei <forms>

Wie lässt sich Schadcode in eine Website einfügen und User-Daten abgreifen? Mit ein paar einfachen Handgriffen und Unterstützung durch die Open Source Community! » Details

 

 


JavaScript Framework Guide

Mit JavaScript-Frameworks Schritt halten zu können, kann eine Herausforderung sein. In diesem Artikel werden über 50 Frameworks vorgestellt. » Details

 

 


Ancestry Thinking

Bereits davon gehört? Alan Cooper sprach in seiner Keynote bei der Interaction18 darüber, ob wir die Welt besser zurücklassen und wie wir in der täglichen Arbeit dazu beitragen können. » Ansehen

 


„A Visual Guide to CSS“

Lernen anhand von Beispielen: cssreference.io ist eine kostenlose visuelle Anleitung zu CSS. Es werden die beliebtesten Eigenschaften erklärt und anhand von illustrierten und animierten Beispielen dargestellt. » Zur Website

 


34C3: works for me

Am Chaos Communicaton Congress treffen sich Hacker & Netzaktivisten und diskutieren aktuelle politische und technische  Herausforderungen. Die Konferenz findet immer zwischen Weihnachten und Neujahr statt. Erfreulicherweise werden die Vorträge aufgezeichnet. » Details


Website Audit mit Lighthouse

Google hat mit „Lighthouse“ eine neue Komponente innerhalb der Chrome Dev-Tools veröffentlicht. Diese ermöglicht den Check einer Website auf Accessibility, Performance und Aspekte einer Progressive Web-App und liefert Best Practices zum Fix der üblichsten Probleme. » Details


Blockchain verstehen

Jetzt aber wirklich! Artikel welche die Blockchain-Technologie erklären, gibt es nicht wenige. Ein Entwickler hat nun eine App entwickelt, die Schritt für Schritt durch eine Blockchain-Demo führt.
» Über das Projekt » Zur Demo App

Responsive Webdesign – More than fitting stuff on screen

Im Oktober besuchte ich den Responsive Webdesign Workshop von Vitaly Friedman von Smashing Magazine.

Einer der wichtigsten Punkte die ich aus dem Workshop mitgenommen habe, war die Notwendigkeit der ganzheitlichen Betrachtung von responsive Webdesign. Um es mit einem Zitat zu sagen:

„Responsive Webdesign is more than fitting stuff on screens.“

Wenn eine neue Funktionalität geplant ist sollte diese zunächst hinsichtlich Auswirkungen zur Geschwindigkeit (Speed), dann hinsichtlich Zugänglichkeit (Access) und Skalierung (Scale), und schlussendlich hinsichtlich Gestaltung (Style) betrachtet werden.

Faktoren von Responsive Web Design

 

Geschwindigkeit

Um die Ladezeiten der Website auch für die Nutzung auf mobilen Geräten zu optimieren sollte ein „Performance Budget“ festgelegt werden und für jedes Feature überlegt werden, ob durch die neue Funktionalität das Budget noch eingehalten wird. Interessant zu betrachten sind hierbei Optimierungen zum Laden von Webfonts, Einsatz von Service Workers und Bildkompression.

Als Benchmark kann hier auch der SpeedIndex von WebpageTest herangezogen werden. Paul Irish, Google Chrome Developer Advocate, hat einen Zielwert von unter 1000 ausgegeben der schwer zu erreichen ist, aber z.B. von Seiten wie derstandard.at erreicht wird.

 

Accessbility

Friedman betonte die Wichtigkeit der Verwendung von nativen HTML Komponenten, da viele assistive Technologien darauf aufbauen. Viele Libraries unterstützen Accessibility nicht in dem Ausmaß wie notwendig, aber es gibt viele frei verfügbare Alternativen, z.B. der DatePicker von AirBnB oder der HTML5 Video Player von PayPal.

 

Skalierung

Der nächste Schritt nach Media Queries und Breakpoints ist das Fluid Scaling bzw. Fluid Typography. Mehr dazu ist im Artikel „Responsive And Fluid Typography With vh And vw Units“ im Smashing Magazine nachzulesen.

 

Style

Wichtige Tools um ein responsives Layout zu erstellen sind Flexbox und CSS Grid. Während Flexbox vor allem für eindimensionale Probleme (horizontales oder vertikales Stacking) eine gute Lösung ist, ermöglicht das CCS Grid eine flexible Positionierung von Elementen im zweidimensionalen Raum. Zu Verstehen wie die zwei Layout-Techniken funktionieren ist nicht ganz einfach – eventuell hilft dabei die spielerische Herangehensweise von Flexbox Froggy oder CSS Grid.


Brauchen Sie in Ihrem Projekt Unterstützung bei der Lösung von Aufgaben im Bereich der User Experience oder Responsive Website Design?

 

UX Night Vienna: Wie Runtastic, mySugr und BeeOne UX-Herausforderungen meistern

Nach der erfolgreichen Interaction16 redux Veranstaltung vergangenes Jahr organisierte ich als Teil des Teams vom Interaction Design Stammtisch dieses Jahr die UX Night Vienna 2017. Unter dem Motto „Am Beifahrersitz österreichischer Organisationen“ ging es dieses Jahr darum Einblick in österreichische Unternehmen und deren In-House UX-Abteilungen zu erhalten. Wie also kommt es zu der guten User Experience die viele Produkte erfolgreich macht?

Wir kontaktierten daher bekannte österreichische Firmen und konnten für diesen Abend Lesya von Runtastic, Matthias von mySugr sowie Konstantin und Stefanie von BeeOne (George) für diesen Abend gewinnen. In interessanten Vorträgen gab es sehr offene und konkrete Einblicke in deren Arbeitsweisen und Herausforderungen der verschiedenen Teams.

Lesya Präsentation

Lesya von Runtastic über Design Sprints

Vor allem der Trend zur Abkehr von eigenen Designteams hin zu interdisziplinären Teams in denen UX Design gemeinsam mit dem Entwicklungsteam zusammenarbeitet hat sich bei Runtastic und mySugr gezeigt. Runtastics Einsatz von Design Sprints vor allem für Neuentwicklungen und komplexe Funktionalitäten war sehr aufschlussreich. Matthias von mySugr wies darauf hin wie hilfreich es sein kann UX Designs physisch sichtbar zu machen.

Konstantin und Stefanie von BeeOne haben einen Einblick gegeben wie sie neue Features entwickeln und welche Herausforderungen es gibt. Vor allem interessant war es vor dem Hintergrund, dass ein bestehendes System abgelöst wird, dass von vielen Benutzern verwendet wird und deren Benutzer teilweise sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben – vom Einsteiger-Bankkunden mit wenigen Produkten bis hin zum Power-User.

 

Dank der Unterstützung von IBM Österreich/exc.io und TechTalk konnten dieses Jahr 80 Teilnehmer diese interessanten Vorträge verfolgen.

Teilnehmer bei Get-Together

Get-Together in gemütlicher Runde

Der große Andrang im Vorfeld und die positiven Rückmeldungen der Besucher zeigen uns, dass ein solches Format auf sehr großes Interesse stößt. Wir freuen uns schon auf eine Fortsetzung.

Weitere Eindrücke von der Veranstaltung gibt es auf Twitter. Die Fotos in diesem Beitrag sind von Wieland Kloimstein, weitere gibt es in einem Album auf Flickr zu sehen.

Berlin calling: TechTalk @ UXcamp Europe 2017 (TechTalk Storys Videoblog)

Das Pfingstwochenende verbrachten Claudia und ich in Berlin auf einem der größten UX Events Europas mit über 500 UX Fachleuten. Noch nie war es mir so klar wie hier: es gibt wirklich viele Menschen die denselben Beruf und dieselbe Berufung wie wir haben. You are not alone ;). Die kostenlose Teilnahme, kombiniert mit der seit 9 Jahren anhaltend hohen Qualität der Sessions macht die Veranstaltung in UX-Kreisen derart populär, dass die Tickets innerhalb von 30 Sekunden vergriffen waren. Wer also bzgl. der Teilnahme auf Nummer sichergehen will, der macht es wie wir und beflügelt die Veranstaltung als freiwillige HelferIn.

Das Schöne an der Veranstaltung ist ihre Ungezwungenheit: die Planung übernehmen Berliner UX Enthusiasten und die Teilnehmenden werden zu den Veranstaltern gemacht indem jeder einen Beitrag leisten darf um zu ihrem Gelingen beizutragen. Wer glaubt sich im Vorhinein einen Plan zurecht legen zu können um die besten Sessions zu besuchen, wird eines Besseren belehrt.

Das Session Planung beginnt erst nach der Eröffnung, mit einer sehr kurzen Vorstellung jedes Redners zu seinem Thema. Jeder Redner bekommt ein Kärtchen und je nach Zuspruch im Publikum werden diesem ein größenmäßig passender Raum für die Session zugewiesen und so entsteht täglich ein Session Board.

Das Session Board am UX Camp Berlin

Das Session Board am UX Camp Berlin

Themen:

Doch im Sinne von UX-Guru Jakob Nielsen „Web text should be short“ ende ich hier mit meinen Schwärmereien für die Veranstaltung. Claudia hat vor Ort Vortragende zu Ihren Beweggründen für die Teilnahme befragt. Schaut Euch unser kurzes Video (2:12 Minuten) dazu an um Euch:

  • selbst einen Eindruck von der Atmosphäre vor Ort zu verschaffen,
  • zu erfahren, was der Mehrwert eines UX Designers für jedes Projekt ist und
  • welche die größten Herausforderungen im UX-Bereich sind.

Weiterführende Infos:

Eventbericht: Interaction16redux Vienna

Am 27. September fand die Interaction16redux in Wien statt. Die Interaction-Konferenz der Interactive Design Association (IxDA) findet jedes Jahr abwechselnd in Europa und Nordamerika statt und dieses Jahr war das Thema „What’s next in interaction design?“. Gemeinsam mit Jörg Linder vom Interaction Design Stammtisch war ich dieses Jahr vor Ort bei der Interaction16 in Helsinki. Wir haben die Idee geboren, wie in vielen anderen Städten auch, einen sogenannten „Redux“-Event in Österreich zu veranstalten. Dabei werden Themen der Interaction-Konferenz aufgegriffen und in dem Herkunftsland der Teilnehmer noch einmal präsentiert.

Gemeinsam mit der Unterstützung von IBM und TechTalk konnten wir einen Abend gestalten an dem in sechs unterschiedlichen Vorträgen Inhalte aufgegriffen und präsentiert wurden. Nachfolgend berichte ich von ein paar ausgewählten Highlights.

IBM Design Thinking

Als Host der Veranstaltung präsentierte IBM zu Beginn ihre Sichtweise von Design Thinking und wie sie versuchen diese moderne Art der Softwareentwicklung mit dem zugehörigen Methodenset in ihr Unternehmen im Stile einer Design Agentur zu integrieren.

Mehr zu ihren Ansätzen kann man auch auf der IBM Design Website finden.

Algorithms as Design Material

Jörg Linder sprach in seinem Talk „Algorithms as Design Material“ über die zukünftige Rolle von Algorithmen und intelligenten Systemen. Beispiele hierfür sind etwa Spotify Discover Weekly-Service oder ChatBots. Diese Systeme werden bei der Gestaltung von interaktiven Anwendungen immer relevanter, da sie in Anwendungen integriert werden um eine bessere User Experience zu schaffen.

Don’t make volunteers think

Ein Highlight des Abends war sicherlich der Vortrag von Stephan Bazalka von Caritas Wien. Er erzählte über die Herausforderungen vor denen Caritas im Rahmen der Flüchtlingskrise im Sommer 2015 gestanden ist und wie sie es geschafft haben die vielen Freiwilligen zu koordinieren.

Ein Großteil der Koordination erfolgte damals mit bis zu 150 Doodle-Abstimmungsformularen. Durch die Möglichkeit die offenen Termine einfach über Social Media-Kanäle weiter zu verteilen, wurden viele Freiwillige erreicht. In den Monaten danach wollte man eine, für den Anwendungsfall optimierte, Lösung umsetzen, die direkt von Caritas aus betrieben wird. Stephan berichtete über die Erkenntnisse, die sie bei der Umsetzung gewonnen haben, um vor allem die Einstiegsbarriere der neuen Lösung möglichst niedrige zu halten. Als Ergebnis gibt es daher auch keine App, sondern ein einfaches Online-Formular in dem nur die Basisinformationen erfasst werden müssen. Die Authentifizierung erfolgt mittels Handynummer und SMS-Code, nicht einmal eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden.

Interaction16redux - Foto von Wieland Kloimstein - wieland.cc

UX Community Wien

Zwischen den Vorträgen gab es bei einem kühlen Bier viel Möglichkeiten zum Austausch mit der UX-Community in Wien.

Interaction16redux - Foto von Wieland Kloimstein - wieland.cc

Die nächste Interaction Konferenz – Interaction17 – findet übrigens im Februar in New York statt. Nicht ganz so weit reisen muss man zu den nächsten Meetups der UX-Community in Wien am 4.11. (UxWien Mornings) bzw. 8.11. (Interaction Design Stammtisch/UxWien Metalab Meetup).

(Fotos von Wieland Kloimstein – wieland.cc / weitere Fotos auf Flickr)