Solution Focus: Fragen Sie nach der erwünschten Zukunft und nicht nach den Problemen

Als Agile Coach bin ich öfter mit Rahmenbedingungen konfrontiert, die Personen oder ganze Teams daran hindern, konstruktiv und zielgerichtet zusammenzuarbeiten. Dadurch verursachte Irritationen sind nicht nur im Team selbst spürbar. Auch die Führungspersonen bemerken, dass in Ihrem Bereich etwas nicht rund läuft.  

Die Probleme können in unterschiedlichsten Bereichen angesiedelt sein. Hier nur einige Beispiele: 

  • Fehlende, unklare oder widersprüchliche Zielvorgaben für Teams 
  • Missverständnisse bei der operativen Zusammenarbeit  
  • Äußere Abhängigkeiten, die schwer adressiert werden können

Die betroffenen Teams oder auch einzelne Personen beschäftigen sich häufig sehr intensiv mit diesen Problemen. Sie versuchen, sie bis ins letzte Detail zu analysieren und zu verstehen, damit sie dann endlich eine Lösung dafür finden können. Diese Problemanalyse nimmt viel Zeit in Anspruch.

Mit Solution Focus stellen Sie die Lösung in den Mittelpunkt!

Typisch für lösungsfokussiertes Arbeiten ist ein starker Fokus auf die erwünschte Zukunft. Dafür werden alle bereits existierenden Ressourcen genutzt. Es werden positive Unterschiede betrachtet und analysiert, was genau funktioniert unter welchen Bedingungen bereits gut. Mit kleinen, schnell greifbaren Veränderungen wird ein konkret formuliertes Ziel angesteuert.  

Dem Problemfokus und damit  auch der Problemanalyse wird keine Aufmerksamkeit geschenkt.  „Der Lösung ist egal, wie das Problem entstanden ist“ (Insoo Kim Berg). Gemäss dieser Denkweise nutzt man im Solution Focus das simple und zugleich unheimlich kraftvolle Werkzeug der „Fragen und sprachlichen Interventionen“.

Die große Palette an Methoden und Tools im Solution Focus basiert fast ausschließlich auf Fragetechniken und sprachlichen Interventionen. Als Führungsperson können Sie damit u.a. folgende Veränderungen unterstützen:

  1. die Teambildung positiv beeinflussen  und die Zusammenarbeit stärken
  2. die Definition von gemeinsamen Zielen (sowie damit verbundene erkennbare Kriterien für die Zielerreichung) fördern
  3. die Veränderungsprozesse in der Organisation (Change Prozesse) sinnvoll begleiten und gestalten
  4. die rasche Überwindung von Krisen begünstigen.

Hier einige wirkungsvolle Anregungen für die Formulierung Ihrer Fragen im Business Kontext:

  • Offene Fragen laden Ihre Gesprächspartner ein, ihre Gedanken mit Ihnen zu teilen. Versuchen Sie statt „Denkt ihr, wir bekommen das hin?“ oder gar „Denkt ihr, ihr bekommt das hin?“ einfach mal „Wie können wir das gemeinsam hinbekommen?“. Oder statt „Können wir den Zeitplan halten?“ die Frage „Wie können wir den Zeitplan halten?“ 
  • Setzen Sie gerichtete und ungerichtete Fragen bewusst ein.
    • Verwenden Sie gerichtete Fragen, um möglichst konkrete und auch verbindlichere Antworten zu erhalten. Zum Beispiel statt einem „Was müsste man besser machen?“ ein „Was könnt ihr zur Verbesserung beitragen?“. Oder statt „Kann der Zeitplan gehalten werden?“ die Frage „In welchem Zeitraum könnt ihr es schaffen?“ 
    • Verwenden Sie ungerichtete Fragen, um eine Vielzahl an Ideen zusammenzutragen und die Anzahl an Antworten zu erhöhen. Ungerichtete Fragen fördern die Kreativität, und erst in einem zweiten Schritt wird aus den möglichen Optionen gewählt, was am wirkungsvollsten in der jeweiligen Situation erscheint. Statt „Wie könnt ihr das lösen?“ ein „Wie könnte man das lösen?“. Oder statt „Wieso ist die Performance so schlecht?“ die Frage „Wie könnte man die Performance verbessern?“ 
    • Fragen Sie nach Ausnahmen. Kein Problem tritt ohne Unterbrechungen auf, fragen Sie nach positiven Unterschieden. In den positiven Unterschieden sind oft erste Lösungsmöglichkeiten begründet. Hören Sie zum Beispiel „Nie schaffen wir das, was wir uns vorgenommen haben.“, dann fragen Sie „Wirklich nie? Wann ist es euch doch einmal gelungen? Und was war da anders?“. Sagt man zu Ihnen „Immer kommt X zu spät.“ dann fragen Sie „Wirklich immer? Wann ist X mal pünktlich gewesen? Wie ist es dazu gekommen, dass X da pünktlich sein konnte?“ 

Mit diesem Beitrag leiten wir eine Blog Post Serie ein, die Führungspersonen, Agile Coaches und Scrum Mastern nützliche Ideen für die tägliche Arbeit liefern soll.

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