Übergabe der Buchspende zur Ergänzung der Schulbibliothek Teočak

Am Anfang unserer Reise nach Tuzla, zur Familie meines sehr guten Freundes Damir, wollten wir einen kurzen Abstecher in der Schule in Teočak machen, um uns zu überzeugen, ob und wo „unsere“ Bücher angekommen sind. Und waren einigermaßen überrascht.

Die provinzielle Kleinstadt in schöner bosnischer Hügellandschaft, circa eine Autostunde von Tuzla entfernt, hat zwar nur ca. 8.000 Einwohner, jedoch die zwei Pflichtschulen (Volks- und Mittelschule) insgesamt ca. 1.600 Schüler, die auch aus den umliegenden Dörfern kommen.

Das Schulgebäude hatte auf mich grundsätzlich dieselbe Wirkung, wie anderswo auch. In vorsichtig interessierter Beobachtung, dankbar für alles an Ausbildung in der Vergangenheit und noch dankbarer, selbst nicht mehr in die Schule gehen zu müssen.

Unser Besuch wurde aber gleich von einer ganzen Delegation begleitet: Dem Bürgermeister Tajib Muminovic, seinem Stellvertreter, dem Feuerwehrhauptmann (der auch Vorstand der Universität in Tuzla ist), dem Bildungsbeauftragten der Stadt, natürlich den beiden Schuldirektoren Dževad Mehić und Nermin Mulaosmanović, dem riesengroßen Ex-Basketballprofi der nun, heimgekehrt vom internationalen Sport-Parkett, hier im Dorf Englisch-Lehrer ist – und vielen Lehrern und Menschen mehr, deren Nennung formatsprengend wäre.

Warum so viel Aufmerksamkeit für uns und ein paar hundert gespendeten Büchern?

Das Ministerium in Bosnien schreibt den Schulen – eh wie bei uns – einen Lehrplan vor, inklusive der verpflichtenden und empfohlenen Literatur für die Kinder. Leider hat man dort nicht die Mittel, den Schulen diese Literatur auch (vollständig) zur Verfügung zu stellen.

Ideen gibt es viele, am Ende scheitert es am Geld

Der Betreiber der beiden Schulen ist die Stadt Teočak, die sich gerade finanziell von der Fertigstellung der Wasserversorgung für alle Haushalte erholt und zuletzt mit der Hilfe Vieler den Turnsaal in der Schule, nach dem Hochwasser 2014 (Muren) wiederherstellen konnte. Wo man in der Stadt hinschaut, gibt es Infrastrukturbedarf (Straßenbeleuchtung wäre praktisch) , die im Krieg zu 90% zerstört wurde, und über 50% Arbeitslosigkeit beklagt.

Hier lebt und arbeitet Damirs Freund Suad als Bildungsreferent der Kommune, der uns vom Bedarf der Vervollständigung der Bibliothek erzählt hat. Eine sehr konkrete Idee, die uns persönlich schnell begeistert hat und danach auch den Rotary Club Wien Nestroy, „mein“ Unternehmen TechTalk und den Bosnischen Kulturverein. Gemeinsam haben wir die Mittel (insgesamt EUR 3.800) zusammengetragen. Der Verleger Lijepa Riječ d.o.o. aus Tuzla hat kostenlos noch 30% Bücher dazugegeben. Perfekt koordiniert wurde das Projekt durch Damir und Suad in einer Art und Weise, die Spender schätzen: direkt, konkret und verlässlich durchgeführt.

Bildung ist gerade in einer strukturell schwachen Region mit seelischen Kriegswunden, für Kinder und Jugendliche ein essentieller Baustein um die Welt und ihre Buntheit kennen- und hoffentlich lieben zu lernen. Sich vielleicht durch gute Literatur einfach ein bisschen distanzieren zu können, hinein in räumlich, zeitlich und kulturell entfernte Welten.

Die große Aufmerksamkeit, die unser verhältnismäßig kleines Projekt und unser Besuch erregt hat, war erstaunlich und auch eine große Ehre, die allen gebührt, die mitgewirkt haben. Als Besucher der Stadt und der Schulen habe ich jedenfalls nicht mit dieser Gastfreundschaft gerechnet, für die ich mich auf diesem Weg nochmals bedanke und auch gerne an alle Weitertragen möchte, die beim Spenden mitgewirkt haben.  

TechTalk ist jetzt Freund der Schulen

Unverhofft wurden uns für alle beteiligten Spender von den Schuldirektoren eine Freundschaftsurkunde überreicht, die sicher einen Ehrenplatz in unseren Büros und Wohnungen bekommen.

Unser nächstes Vorhaben ist bereits in Überlegung und hat teilweise begonnen: Der Informatikraum benötigt aktuellere Hardware. Der derzeitige Bestand ist circa 10 Jahre alt und für zeitgemäßen Unterricht nur eingeschränkt einsetzbar. Viele Unternehmen in Österreich ersetzen ihre Geräte nach 4-5 Jahren. Vielleicht können wir hier in Zukunft, zusätzlich zu den drei Computer/Monitor Kombinationen, die wir der Schule dieses Jahr bereits zur Verfügung gestellt haben, mehr zur Verfügung stellen. Wenn Sie mitmachen möchten, melden Sie sich bitte bei mir.

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