Interview mit Hendrik Lösch über das Welcome App Concept und den Einsatz von SpecLog im Projekt

TechTalk: Hallo Hendrik, stell dich doch bitte kurz vor.
Hendrik Lösch: Meine Name ist Hendrik Lösch. Ich arbeite als Senior Consultant für Microsoft Technologien bei der Saxonia Systems AG. Außerdem bin ich technischer Projektleiter und Mitinitiator des Welcome App Concepts. Bei diesem handelt es sich um ein App Konzept um Flüchtlinge über ihre Situation und Deutschland zu informieren.

Wie ist die Idee zur App entstanden?
Die X-GIDA Bewegung in Deutschland startete in Dresden Ende 2014, durch die ersten Märsche von PEGIDA. In dieser Zeit hat mein Arbeitgeber, die Saxonia Systems AG, angefangen sich für Flüchtende einzusetzen. In diesem Zusammenhang ist unsere Vorstandsvorsitzende Viola Klein auf die Idee gekommen, dass wir die Flüchtenden wohl am besten unterstützen könnten, wenn wir ihnen eine möglichst umfassende Informationsgrundlage bieten. Da außerdem etwa 80% der Asylsuchenden Zugriff auf ein Smartphone haben, lag es nahe eine App zu entwickeln. Die in Kooperation mit der Firma HeiReS nun zunächst erst einmal für Dresden erschienen ist.

Warum sprecht ihr von einem Konzept und nicht nur von einer App?
Statt sofort mit einer App zu beginnen, haben wir zunächst das Konzept einer App entwickelt in dem wir gemeinsam mit Flüchtlingen Anforderungen erarbeitet und mögliche Lösungsstrategien ermittelt haben. Das Konzept ist demnach die Vision die wir haben und welche schrittweise umgesetzt wird. Zu den ersten Schritten gehörte der Release für Dresden. Nun widmen wir uns der Aufgabe die App auch für andere Städte zu öffnen.

Welches Problem löst die App?
Die App enthält Beschreibungen rund um die Themen „Asyl in Dresden“ und „Leben in Deutschland“. Mit diesen Beschreibungen wird den Personen das Wichtigste kurz erklärt und eine Möglichkeit gegeben sich weiter zu informieren. Darüber hinaus verfügt sie über die Adressen und Kontaktdaten der wichtigsten Einrichtungen und Behörden.  Zukünftig soll die App noch um Checklisten für die Behördengänge, ein FAQ für Deutschland und andere Dinge erweitert werden mit denen der Alltag eines Asylsuchenden in Deutschland etwas leichter wird.

Wie weit fortgeschritten ist das Projekt?
Die App ist jeweils in einer Version für Windows Phone und Android erschienen. Ab Anfang September wird außerdem eine iOS Version verfügbar sein. Für Android arbeiten wir zur Zeit daran die App in weitere Sprachen zu übersetzen, da sie hier aktuell nur in Englisch verfügbar ist, die Windows Version aber schon fünf-sprachig ist. Zukünftig soll sie auf allen Plattformen außerdem noch auf Deutsch, Ukrainisch, Französisch, Arabisch, Russisch und gängigen afrikanischen Sprachen verfügbar sein. Darüber hinaus sind wir aktuell im Gespräch mit unterschiedlichen deutschen Städten, die eine Umsetzung des Konzepts wünschen.

Hast du schon Feedback bekommen, hast du Unterstützer / Mitstreiter gefunden?
Der wichtigste Mitstreiter bei der App ist die Firma HeiReS. Sie haben die UI designt, einen sehr großen Teil der Inhalte erarbeitet und pflegen mittlerweile komplett die Windows Phone Variante. Wir von Saxonia kümmern uns wiederum aktuell darum alle Features auf Android und iOS zur Verfügung zu stellen und bereiten gemeinsam mit HeiReS die Anbindung weiterer Städte vor, mit dem Ziel unser Konzept in ganz Deutschland nutzbar zu machen. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit der TU München geplant.

Bisher haben wir dazu schon sehr gutes Feedback von den öffentlichen Stellen bekommen. Die App wird von uns kostenlos bereitgestellt und erhielt bisher auch keinerlei Förderung. Aus der Entwicklercommunity haben wir darüber hinaus so viele Angebote bekommen, uns bei der Programmierung zu helfen, dass wir diese leider regelmäßig abweisen müssen. Last but not least speisen sich die Inhalte der App auch aus ehrenamtlicher Arbeit unterschiedlicher Personen. Wozu neben der Validierung der vorhandenen Daten, auch die Übersetzung der Beschreibungstexte zählt.

Was bedeutet für dich Erfolg bei diesem Projekt und wann hast du deine Zielsetzung erreicht?
Aus meiner Sicht können sich Menschen nur integrieren, wenn sie sich informieren können. Woher soll ich wissen wie ich mich in einem fremden Kulturkreis zu verhalten habe, wenn es mir keiner sagt? Wie soll ich mich in etwas so komplexem wie dem Asylrecht zurecht finden, wenn man doch den Eindruck hat, dass selbst die Experten gelegentlich straucheln. Ganz zu schweigen davon, dass es wahrscheinlich in einer Sprache verfasst ist mit der ich mich nicht auskenne. Für mich ist es daher schon jetzt ein Erfolg, etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Jede weitere Bestätigung ziehe ich aus den Downloadzahlen ;)

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SpecLog Screenshot / © Hendrik Lösch Facebook

Du hast SpecLog bei dem Projekt eingesetzt, wie hat es dir dabei geholfen?
Speclog hat uns sehr geholfen die Anforderungen zu ermitteln und aufzubereiten. Da es sehr leichtgewichtig ist, können wir es ohne weiteres sehr schnell in den Gesprächen einsetzen und brauchen nicht erst viel Zeit um Eingabemasken mit Informationen zu füllen, die später mehr Ballast als Hilfe sind. Darüber hinaus können wir es wunderbar einsetzen um die Anforderungen in den unterschiedlichen Teams synchron zu halten.

Danke dass du dir für das Interview Zeit genommen hast!